Politik und Pharmaindustrie müssen Versorgungssicherheit für Apotheken endlich stärken

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Seit Ausbruch der Pandemie haben deutsche Apotheken vermehrt Schwierigkeiten, Medikamente wie fiebersenkende Säfte, Antibiotikaglobuli, Schilddrüsen-Tabletten, Blutdruckpräparate und Psychopharmaka zu beschaffen. Luboldt führt dies auf monolithische Wirkstofflieferanten in Asien, aggressive Rabattabkommen und abgestörte Logistikketten zurück. Sie plädiert für eine gestärkte europäische Basisproduktion, Prämien für Hersteller essentieller Arzneimittel, erweiterte Apothekenrechte bei Lieferengpässen und patientennahe Informationskampagnen. Dadurch sollen Verfügbarkeit gesichert und der administrative Aufwand abgebaut werden. So sinken Risiken und Wartezeiten deutlich.

Psychopharmaka und Schilddrüsenmedikamente fehlen auf Dauer in städtischer Apotheke

Durch die Corona-Krise kommt es in der Damian-Apotheke in Dinslaken zu konstanten Engpässen bei vielen Medikamenten. Häufig nicht lieferbar sind Fiebersäfte für Kinder, wichtige Antibiotika, Präparate für Schilddrüsen- und Blutdruckerkrankungen sowie Psychopharmaka. Die Mitarbeiter müssen täglich aufwendig verfügbare Alternativen recherchieren, Zulassungsbedingungen prüfen und ärztliche Rücksprache halten. Das führt zu erhöhtem Zeitaufwand, zusätzlichen administrativen Aufgaben und verstärkter Verunsicherung sowohl bei den Patientinnen und Patienten als auch intern. Zudem eskaliert interner Abstimmungsaufwand.

Transportengpässe und Rohstoffknappheit führen zu Medikamentenmangel in deutschen Apotheken

Die globale Konzentration von Wirkstofffabriken in Asien führt bei ungeplanten Störungen zu raschen Versorgungsproblemen in deutschen Apotheken. Naturkatastrophen, politische Konflikte oder behördliche Anordnungen können die Produktion stilllegen, während begrenzte Lagerbestände und langwierige Transportkorridore die Nachschublinien blockieren. Geopolitische Spannungen, wie sie beispielsweise im Iran auftreten, können durch Embargos oder militärische Auseinandersetzungen den Fluss von Arzneistoffen abrupt stoppen und damit die öffentliche Gesundheitsversorgung gefährden.

Preisdumping provoziert europäische Produktionsaufgaben und häufige Medikamentenausfälle in Deutschland

In Deutschland bewirken Rabattvereinbarungen mit preisgünstigen, oft asiatischen Anbietern eine Marktverzerrung. Ohne ausreichend hohe Margen und Patentschutz rentiert sich die heimische Wirkstoffherstellung kaum, weshalb zahlreiche Produktionsanlagen stillgelegt werden. Gleichzeitig verlagern Konzerne ihre Fertigung in höher profitable Auslandsmärkte. Die Konsequenz für Apotheken ist ein eingeschränktes Sortiment und häufige Lagerengpässe. Dies stellt sie vor erhebliche Herausforderungen bei der Versorgung von Patientinnen und Patienten das Vertrauen in das Gesundheitssystem und die Patientenversorgung schmälert.

Tschechien erzielt höhere Erlöse, deutsche Kinder bleiben ohne Fiebersaft

Das Beispiel der Fiebersäfte für Kinder illustriert, wie Preisunterschiede grenzüberschreitende Versorgungsmuster beeinflussen: Tschechische Pharmahersteller konnten dank höherer Verkaufspreise ihre Produkte in lokalen Apotheken reichlich bereitstellen. In Deutschland bleiben viele Bestellungen jedoch unerfüllt, weil Hersteller lukrativere Märkte priorisieren. Diese Fokussierung steigert wirtschaftliche Effizienz, erzeugt jedoch auf der Nachfrageseite Versorgungslücken. Apotheken und Patienten geraten dadurch in einen ständigen Anpassungsprozess, der den medizinischen Alltag belastet. Regulatorische Anpassungen und Preisrichtlinien könnten diese Fehlallokationen reduzieren.

Tägliche Ersatzmittelabstimmung per Telefon verursacht hohen Aufwand ohne Kostenausgleich

Apotheken müssen täglich etliche Stunden in administrative Abläufe investieren, die über normale Verkaufstätigkeiten hinausgehen. Telefonische Rücksprachen mit Praxen, Koordination von Ersatzmedikamenten sowie Anfragen bei Großhändlern beanspruchen Personalressourcen. Botendienste ersetzen standardisierte Prozesse, wenn Arztpraxen nicht erreichbar sind. Parallel dazu erfordert jede Abweichung von festgelegten Bestellvorgaben eine detaillierte Dokumentation. Diese zusätzlich anfallenden Arbeitszeiten werden finanziell ungenügend vergütet und führen zu einer spürbaren Budgetbelastung im Apothekenbetrieb und wirken negativ auf die Versorgungsqualität aus.

Politische Anreize fördern dauerhafte europäische Wirkstoffproduktion gegen globale Abhängigkeiten

Trotz erhöhter Produktionskosten in Europa fordert Luboldt bewusst höhere Ausgaben für die Wirkstoffherstellung ein, um strategische Unabhängigkeit vom globalen Markt zu erreichen. Sie empfiehlt, die zusätzlichen Kosten über angepasste Erstattungsmodelle und Verhandlungen mit Kostenträgern abzudecken. So wird die Versorgung mit unverzichtbaren Medikamenten sichergestellt, während Apotheken parallel dazu erweiterte Befugnisse erhalten, um bei unvorhergesehenen Engpässen direkt auf zugelassene Alternativen wechseln zu können, ohne kostenintensive Ausnahmeverfahren durchlaufen zu müssen.

Vorräte kontrollieren und Rezepte frühzeitig einreichen verbessern Arzneimittelversorgung nachhaltig

Patientinnen und Patienten mit langfristigem Arzneimittelbedarf sollten ihre Bestände stets kontrollieren und Rezepte mindestens zwei Wochen vor dem erwarteten Ende des Vorrats ausstellen lassen. Diese Vorlaufzeit sichert Apotheken die Möglichkeit, Lieferengpässe frühzeitig zu erkennen, Nachbestellungen auszulösen und bei Bedarf auf Äquivalente zurückzugreifen. Durch konsequente Vorbereitung werden Versorgungsunterbrechungen vermieden, die Medikamentenverfügbarkeit gestärkt und Patientensicherheit durch kontinuierliche Therapieeinhaltung gewährleistet. Gleichzeitig profitieren Apotheken von optimierten Dispositionsprozessen, Hektik im Apothekenalltag und planbarer Warenwirtschaft.

Ein effizienter und strategischer Ausbau der Wirkstoffproduktion in Europa sorgt dafür, dass bei Ausfall von internationalen Betrieben die Versorgung kontinuierlich gewährleistet bleibt. Ökonomische Anreizmodelle schützen Herstellermargen und halten wichtige Arzneimittel dauerhaft verfügbar. Apotheken erhalten unkomplizierte Zugriffsrechte auf Ersatzpräparate, um Engpässe zügig und umfassend zu überbrücken. Patienten werden durch frühzeitige und regelmäßige Rezeptverwaltung sowie Lagerkontrollen aktiv in das Risikomanagement eingebunden. Dieses europäische und proaktiv abgestimmte System aus Produktion, Anreizen und Prävention stabilisiert die Arzneimittelversorgung nachhaltig.

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