Winn: Verhalten von Roche ethisch und wirtschaftlich unverantwortlich!

17.10.2007 | Berlin
Als "ethisch problematisch und wirtschaftlich unverantwortlich" hat der Vorsitzende des Hartmannbundes, Dr. Kuno Winn, das Verhalten des Pharmaunternehmens Roche im Umgang mit dem Präparat Avastin bezeichnet. Er appellierte an den Konzern, seine Marktstrategie "zulasten der Patienten im solidarisch finanzierten Gesundheitssystem" unverzüglich zu ändern.

"Auch wenn die Pharmaindustrie nicht durch das Sozialgesetzbuch gebunden ist, so hat sie doch eine soziale Verantwortung!".

Hintergrund: Seit Monaten herrscht ein Streit um das im Februar neu zugelassene Augenmedikament Lucentis der Firma Novartis. Etliche Krankenkassen weigern sich, das neue, sehr teure Präparat zu bezahlen. Sie haben stattdessen mit dem Verband der operierenden Augenärzte einen Vertrag abgeschlossen, mit dem die Augenärzte sich verpflichten, weiter das ähnlich wirkende - aber nur Bruchteile kostende - Roche-Präparat Avastin einzusetzen. Es ist bislang zwar nur für die Anwendung bei Magenkrebs zugelassen, gleichwohl wird es aber seit 2006 auch für eine spezielle Form der Augenkrankheit AMD eingesetzt, bei der Wucherungen von Blutgefäßen in der Netzhaut zur Erblindung führen. Das war rechtlich auch möglich, da der so genannte Off-label-Use ausdrücklich erlaubt ist - allerdings nur, wenn kein anderes wirksames Mittel auf dem Markt ist.

Winn: "Ich erwarte von Roche, dass man dort nun die Zulassung von Avastin zur Behandlung der Augenkrankheit AMD unverzüglich beantragt, um es auch weiterhin zur Behandlung dieser Krankheit einsetzen zu können. Es ist für mich nicht hinnehmbar, dass andernfalls auf dem Rücken von Patienten und Ärzten Gewinnmaximierung betrieben wird." Der Verdacht, dass Roche diese Zulassung nicht beantrage, um dem mit ihm wirtschaftlich eng verflochtenen Unternehmen Novartis die Möglichkeit zum Vertrieb ihres eigenen Medikamentes Lucentis zu ermöglichen, sei kaum von der Hand zu weisen. Winn: "Kein Mensch, erst recht kein Beitragszahler, hat Verständnis dafür, wenn für die Behandlung von rund 500.000 AMD-Patienten im Jahr 9.000 statt 32 Millionen Euro ausgegeben werden müssen, nur weil sich ein Konzern weigert, das entsprechende Medikament dem Zulassungsverfahren zuzuführen".

Winn abschließend: "Wir kämpfen seit Jahren entschlossen gegen jeden Eingriff des Staates - vor allem den des Gesundheitsministeriums - in unser Gesundheitswesen. Mit Steilvorlagen, wie sie hier von der Firma Roche präsentiert werden, wird diesem Kampf ein Bärendienst erwiesen. Auf solche Chancen wartet Bundesgesundheitsministerin Schmidt nicht nur, sondern sie wird sie auch zu Recht genüsslich nutzen."

Quelle: Pressemeldung Hartmannbund - Verband der Ärzte Deutschlands e.V.

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