"Tetanus kann tödlich sein."
Frage: Während Erwachsene bei ihren Kindern meist auf einen kompletten Impfschutz bei ihren Kindern achten, sind sie bei sich selbst häufig zu sorglos. Fast jeder dritte Erwachsene (30 Prozent) gibt an, nicht gegen Tetanus geimpft zu sein oder nicht zu wissen, ob ein Impfschutz besteht. Eine erschreckend hohe Zahl. Sind die Deutschen Impfmuffel?
Dr. Cordula Sohst-Brennenstuhl: Leider ja. Das Robert Koch-Institut hat festgestellt, dass die größten Impflücken bei den Erwachsenen bestehen. Nur 60 Prozent haben nach Informationen der Ständigen Impfkommission (STIKO) einen ausreichenden Impfschutz. Wer eine Impflücke hat, also die Zahl seiner Antikörper nicht durch Auffrischungsimpfungen stabil hält, kann auch als Erwachsener an Masern, Mumps oder Röteln erkranken. Dieses Impfdefizit muss deshalb immer wieder thematisiert werden.
Frage: Welche Impfungen bzw. Auffrischungsimpfungen muss ich als Erwachsener haben?
Dr. Sohst-Brennenstuhl: Wichtig ist, dass Erwachsene ihren Impfschutz aus der Kindheit durch Auffrischimpfungen aufrecht erhalten. Diphtherie, Polio und Tetanus sollten beispielsweise alle zehn Jahre erneuert werden. Wer keinen Impfpass mehr hat und auch nicht weiß, ob er ausreichend geschützt ist, sollte sich zunächst von seinem Hausarzt beraten lassen.
Frage: Was ist das gefährliche an Tetanus?
Dr. Sohst-Brennenstuhl: Tetanussporen überleben vor allem in der Erde, auf Holzsplittern, Dornen oder auf rostigen Gegenständen. Selbst kleinste Schürf- und Schnittwunden, die man sich beispielsweise jetzt im Frühjahr bei der Gartenarbeit zuzieht, können dann sehr gefährlich werden. Die Bakterien dringen durch die Wunde in den Körper ein, gelangen über die Nerven zum zentralen Nervensystem und produzieren ein Gift, das schmerzvolle Muskelkrämpfe verursacht und bis zur Erstickung führen kann. Wer nicht gegen Tetanus geimpft ist, kann sich infizieren. In rund 35 Prozent aller Fälle endet das sogar tödlich. Schutz bietet hier nur eine Tetanus-Impfung.
Frage: Trotz gefährlicher Masernepidemien wie erst kürzlich in Hamburg und Nordrhein-Westfahlen werden von vielen Menschen Krankheiten wie eben Masern oder auch Mumps als harmlose Kinderkrankheiten abgetan. Sind diese Krankheiten denn wirklich so gefährlich für Erwachsene?
Dr. Sohst-Brennenstuhl: Absolut! Tritt beispielsweise Mumps nach der Pubertät auf, kommt es bei jedem vierten uninfizierten Mann zu einer Hodenentzündung und bei jeder 20. Frau zu einer Eierstockentzündung. Beides kann lebenslange Unfruchtbarkeit zur Folge haben.
Frage: Und wie sieht es mit Keuchhusten aus?
Dr. Sohst-Brennenstuhl: Erwachsene mit Kontakt zu Kindern sollten sich unbedingt gegen Keuchhusten (Pertussis) impfen lassen, am besten in Kombination mit Tetanus, Diphtherie und Polio. Der Schutz vor dieser lebensbedrohlichen Erkrankung der oberen Atemwege ist vor allem für Säuglinge wichtig, da zwischen den Hustenattacken lebensbedrohliche Atemstillstände auftreten können. Deshalb sollten sich insbesondere Frauen, die sich ein Baby wünschen, noch vor der Schwangerschaft, spätestens aber drei Tage nach der Entbindung, impfen lassen. Genauso sollten auch frischgebackene Väter, Geschwister, Großeltern und natürlich alle weiteren Betreuungspersonen wie Tagesmütter und -väter geimpft sein.
Frage: Wenn Erwachsene sich impfen lassen schützen sie also automatisch auch ihre Kinder?
Dr. Sohst-Brennenstuhl: Richtig! Nicht-Geimpfte profitieren natürlich immer von der Gewissenhaftigkeit Geimpfter. Schwangere Frauen beispielsweise können Rötelnviren auf ihre ungeborenen Kinder übertragen. Schwerste Missbildungen an Augen, Ohren, Herz und Gehirn können die Folgen sein. Infiziert sich eine schwangere Frau mit Röteln, ist es kaum möglich, eine Infektion des ungeborenen Kindes sicher zu verhindern. Frauen mit Kinderwunsch sollten deshalb ebenfalls ihren Impfschutz gegen Röteln überprüfen lassen.
Frage: Insbesondere Jüngere, unter 30 Jahren, scheinen sehr sorglos in Sachen Impfen zu sein. Wie sieht es denn bei den Menschen über 60 Jahren aus?
Dr. Sohst-Brennenstuhl: Leider werden auch unsere Senioren mit zunehmendem Alter impfmüder. Bei ihnen bestehen Impflücken nicht nur bei Tetanus, sondern ebenso bei der Grippe-Schutzimpfung und bei der Impfung gegen Pneumokokken. Diese Bakterien verursachen eine häufig schwer verlaufende Lungenentzündung, die für ältere Menschen lebensgefährlich sein kann. Alle vier bis sechs Jahre sollte deshalb bei Menschen über 60 Jahren eine Auffrischung erfolgen.
Quelle: Pressemeldung D A K - Unternehmen Leben
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