Studienlage zu älteren Patienten verbessert

28.02.2010 | Mannheim
Die Behandlung älterer Tumor­patienten war ein wichtiges Thema auf dem 29. Deutschen Krebskongress (DKK), der vom 24. bis zum 28. Februar in Berlin stattfand. Der Grund: Maßnahmen zur Früherken­nung und eine umfassende Therapie bleiben bei älteren Krebspatienten häufig aus.

Dabei ist die Behandlung oft genauso erfolgreich wie bei jüngeren. Die aktuelle Stu­dienlage in Bezug auf ältere Patienten bei der Behandlung verschiedener Tumorentitäten wie Darm-, Brust- und Lungenkrebs sowie der CLL stellten Experten im Rahmen eines Symposiums auf dem DKK* vor. Deutlich wurde, dass innovative Therapien, die eine Personalisierte Medizin ermöglichen, den Patienten unabhängig vom Alter nützen.

"Viele Ärzte therapieren ältere Patienten nicht mit derselben Konsequenz wie jüngere", beklagte PD Dr. med. Ulrich Wedding, Chefarzt der Abteilung Palliativmedizin des Universitätsklinikums Jena. Sowohl Ärzte als auch Patienten und deren Angehörige sind der Ansicht, eine Tumorbehandlung nütze betagten Patienten weniger als jüngeren - eine Sichtweise, die sich wissenschaftlich insbesondere für neue innovative Behand­lungskonzepte heute nicht mehr aufrecht erhalten lässt. Denn es setzt sich immer mehr die Erkenntnis durch, dass auch ältere Patienten einen hohen Nutzen aus einer umfassenden Krebs­behandlung ziehen, vorausgesetzt, sie sind in einer guten körperlichen Verfassung, wie es für immer mehr ältere Patienten zutrifft. Eine onkologische Therapieentscheidung sollte also immer den tatsächlichen individuellen Gesundheitszustand des älteren Patienten berücksichtigen. "Das biologische und nicht das kalendarische Alter bestimmt die Therapie", so brachte es PD Dr. med. Arnd Hönig, Universitätsklinikum Würzburg, auf den Punkt.

Evidenz für Paradigmenwechsel durch neue Studien- und Registerdaten

Früher war in klinischen Studien ein Alter von über 65 Jahren ein Ausschlusskriterium. Aussagen über die Wirksamkeit und Verträglichkeit vieler Therapien bei dieser Patientengruppe waren deshalb nicht möglich. Eine Wissenslücke, die jedoch zunehmend geschlossen wurde, erläuterte PD Dr. Dr. Friede­mann Honecker, Onkologe vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Zum einen wurden zunehmend ältere Patienten in klinische Studien eingeschlossen. Zum anderen stammt zusätz­liche Evidenz für die Sicherheit und Wirksamkeit moderner onkologischer Therapien aus Registerstudien. Als Beispiel hierfür stellte Honecker das IN-GHO"-Register vor, in dem bis Ende 2010 Daten von über 3.000 onkologischen Patienten (Alter 70+) gesammelt werden, um die reale Behandlungssituation älterer Krebspatienten zu erfassen. Eine Zwischenauswertung von 1.580 Patienten zeigte keinen Einfluss des Patientenalters auf das Therapieergebnis. Ein weiteres Krebsregister speziell für ältere Patienten ist das Mamma-Register "Senora", in das Daten von 1.000 Patientinnen über 70 Jahre eingeschlossen werden sollen.

Behandlungsfortschritte aufgrund gestiegener Lebens­erwartung und innovativer Therapeutika

Der Gewinn an Lebensjahren, den ein älterer onkologischer Patient aus einer optimalen Krebstherapie ziehen kann, ist aufgrund der gestiegenen Lebenserwartung deutlich größer geworden, erklärte PD Dr. med. Arnd Hönig mit Verweis auf die aktuelle Sterbetafel des Statistischen Bundesamtes. Diesen Daten zufolge lebt ein heute 60-jähriger Mann noch weitere 20 Jahre, eine 60-jährige Frau sogar noch 25 Jahre.1 Vor allem aber die Entwicklung zielgerichteter Therapien ("Targeted Therapies") führt zu einem Umdenken in der Behandlung älterer Krebspati­enten, denn mit diesen stehen weitere neue, hocheffektive und gut verträgliche Medikamente zur Verfügung, von denen ältere Patienten genauso wie jüngere profitieren.

Darmkrebs

Studiendaten zeigen, dass die zusätzliche Gabe des mono­klonalen Antikörpers Bevacizumab (Avastin") älteren Patienten ähnliche Vorteile wie jüngeren Patienten bringt. Untersucht wurde bei 1.914 Patienten in der First-line Therapie mit bisher unbehandeltem metastasiertem Dickdarm- bzw. Enddarmkrebs die Sicherheit und Wirksamkeit von Bevacizumab in Kombi­nation mit verschiedenen Standard-Chemotherapien. Die Stu­dienergebnisse zeigen für alle Altersgruppen ein ähnliches langes progressionsfreies Überleben: 10,8 Monate für die unter 65-Jährigen, 11,2 Monate für Patienten von 65 bis 74 Jahren sowie 10,0 Monate für die Patienten ab 75 Jahren.2

Brustkrebs

Auch hier sind die Ergebnisse für ältere Patientinnen viel versprechend: Aktuelle Subgruppen-Analysen einer Phase-III-Studie zeigen, dass die First-line Kombinationstherapie des HER-2-negativen metastasierten Mammakarzinoms mit Bevacizumab bei älteren Patientinnen genauso wirksam und verträglich ist wie bei jüngeren Patientinnen. Für das HER-2-positive Mammakarzinom zeigen die Ergebnisse einer großen Beobachtungsstudie zum Einsatz von Trastuzumab (Herceptin") bei 910 Patientinnen ebenfalls einen Benefit für ältere Patienten. Dabei war das progressionsfreie Überleben von Patientinnen über 65 Jahren im Vergleich zu jüngeren Patientinnen sogar verlängert (12,9 vs. 9,9 Monate).

Lungenkrebs

Positive Nachrichten auch für ältere Patienten mit Lungenkrebs: Die aktuellen Auswertungen der Phase-IV-Studie "Safety of Avastin in Lung Cancer"(SAiL) bestätigen den sicheren Einsatz von Bevacizumab bei älteren Patienten. Dabei war das mediane Gesamtüberleben bei jüngeren Patienten (bis 65 Jahre) mit 14,6 Monaten genauso lange wie im Kollektiv der älteren Patienten. Auch Nebenwirkungen traten bei älteren Patienten nicht häufi­ger auf. "Damit zeigt sich eindrucksvoll die gute Einsatzbarkeit innovativer Therapien für ältere onkologische Patienten", fasst PD Dr. Wolfgang Schütte die Ergebnisse zusammen.

CLL

Bei älteren CLL-Patienten unterscheidet man heute je nach tat­sächlichem Gesundheitszustand der Patienten zwischen fitten, unfitten und gebrechlichen Patienten ("fit, unfit, frail"). Nach den Worten von Dr. Valentin Goede, Universitätsklinikum Köln, kann die neue Standardtherapie aus Rituximab plus Chemotherapie auch bei fitten älteren Patienten eingesetzt werden. Dies ergab die Auswertung der CLL8-Studie6, in die nach einem Geriatri­schen Assessment auch "fitte" ältere Patienten bis 80 Jahre auf­genommen und entweder mit Chemotherapie alleine oder mit Rituximab (MabThera") plus Chemotherapie behandelt wurden.

Geriatrische Onkologie bei Roche

Roche engagiert sich, um die Situation geriatrischer Krebs­patienten zu verbessern. Hierzu gehören die Unterstützung klinischer Studien mit älteren Patienten und die Auswertung von Registerdaten, um eine noch größere Datenbasis für die Behandlung älterer onkologischer Patienten zu schaffen. Roche fördert Projekte im Bereich der medizinischen Weiterbildung, um Angehörigen der Heilberufe aktuelles Wissen für die Behand­lung von älteren Tumorpatienten zur Verfügung zu stellen.

  • Symposium "Therapie des alten Tumorpatienten - tägliche Herausforderung auf dünner Datenbasis?", 26.02.2010, Berlin, im Rahmen des 29. Deutschen Krebskongresses

Veranstalter: Roche Pharma AG

Quelle: Pressemeldung Roche Deutschland Holding GmbH

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