Rabattverträge sind keine Erfolgsstory für Patienten
"Es ist schon irritierend, wenn ausgerechnet die Apotheker, die bislang immer vehement die negativen Auswirkungen der Rabattverträge auf die Therapietreue der Patienten betont hatten, eben diese Vereinbarungen nunmehr kritiklos als Erfolgsstory bezeichnen. Erst im Oktober hatte der Geschäftsführer Wirtschaft und Soziales der ABDA, Karl Heinz Resch, während einer Podiumsveranstaltung in Berlin in aller Deutlichkeit auf die pharmazeutischen Risiken der Rabattverträge hingewiesen. Und noch vor wenigen Wochen wurde in der Pharmazeutischen Zeitung, die auch das Verbandsorgan des DAV ist, eine Studie der Hochschule Fresenius veröffentlicht, in der die Studienleiterin, Professor Gudrun Neises, gravierende negative Folgen der Rabattverträge für die Compliance konstatiert und sogar eine "Schaden-Nutzen-Bewertung" für die Rabattverträge gefordert hatte. Nach den Berechnungen des Apothekerdachverbandes ABDA verursachen Compliancedefizite allein in Deutschland Mehrkosten von rund 10 Milliarden Euro, die zum Beispiel auf längeren Krankheitszeiten, zusätzlichen Arztbesuchen und Krankenhausaufenthalten beruhen. Von allen diesen Zahlen fehlt in der aktuellen Meldung des DAV jede Spur.
Unerwähnt bleibt auch, dass der DAV Zusatzkosten von 650 Millionen Euro für die Umsetzung der Rabattverträge in den Apotheken ermittelt hatte. Inwieweit dieser Mehraufwand schon durch den "Compliance-Bonus" abgegolten worden ist, den Landesapothekerverbände für die Abgabe von Rabattarzneimitteln mit einigen Krankenkassen vereinbart haben, entzieht sich unserer Kenntnis. Es mag sein, dass ihre vorweihnachtliche Stimmung, vielleicht aber auch die gestern beschlossene Absenkung des Apothekenabschlages von 2,30 Euro auf 1,75 Euro den Apothekern das Thema Rabattverträge in einem milderen Licht erscheinen lässt.
Fest steht jedoch, dass die Rabattverträge aus Sicht vieler Patienten, die gegen ihren Willen auf ein Rabattarzneimittel umgestellt werden mussten, ganz sicher keine Erfolgsstory sind. Dies gilt zumal für Millionen chronisch kranker Menschen."
Quelle: Pressemeldung Pro Generika e.V.
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