Mit Krebspatienten besser kommunizieren
Ärzte, die Krebspatienten betreuen, können an speziellen Kommunikationstrainings teilnehmen. Das Projekt KoMPASS (Kommunikative Kompetenz zur Verbesserung der Arzt-Patienten-Beziehung durch strukturierte Fortbildung) läuft seit Frühjahr 2008 sehr erfolgreich in Heidelberg und sechs weiteren Krebszentren in Deutschland. Jetzt gibt es neue Termine für das Fortbildungsangebot am Universitätsklinikum Heidelberg:
2. Juli bis 4. Juli 2009, Auffrischtermin 6. November 2009
15. Oktober bis 17. Oktober 2009, Auffrischtermin 12. Februar 2010
Teilnehmen können alle onkologisch tätigen Ärzte in Klinik oder Praxis, dank der Unterstützung durch die Deutsche Krebshilfe e.V. zu einem Unkostenbeitrag. Das Projekt wurde von Ärzten und Psychologen des Universitätsklinikums Heidelberg initiiert und wird von den Heidelberger Experten geleitet.
An europäische Standards anschließen
Wie vermittele ich meinem Krebspatienten die Diagnose? Wie gelingt es, gemeinsame Therapieentscheidungen zu treffen? Wie gehe ich mit Trauer oder Wut von Patienten und Angehörigen um? Eine Krebserkrankung ist nicht nur mit körperlichen Folgen, sondern auch mit tiefgreifender Verunsicherung, Ängsten und Sorgen verbunden. Dies erschwert oft für Ärzte und Patienten gleichermaßen eine offene und hilfreiche Kommunikation. Den hohen kommunikativen Anforderungen an onkologisch tätige Ärzte stehen in Deutschland bisher nur vereinzelt Fort- und Ausbildungsangebote gegenüber.
"Mit KoMPASS möchten wir ein einheitliches und effektives Trainingsprogramm für Ärzte in der Onkologie entwickeln, in der Praxis erproben und seine Effektivität wissenschaftlich untersuchen", erklärt Privatdozentin Dr. Monika Keller, Leiterin der Sektion Psychoonkologie an der Klinik für Psychosomatische und Allgemeine Klinische Medizin des Universitätsklinikums Heidelberg. Sie ist Mitbegründerin und Leiterin des multizentrischen Projekts. Mit KoMPASS soll an Standards angeschlossen werden, wie sie z.B. in England und der Schweiz bereits mit Erfolg etabliert sind." In vielen Ländern gehören Kommunikationstrainings bereits zur Facharztweiterbildung." Ziel der deutschen Initiative ist es nicht nur, die kommunikative Kompetenz von Ärzten in der Onkologie zu verbessern, sondern auch die Belastung im Beruf spürbar zu vermindern.
Wissenschaftliche Studie wertet Trainingserfolge aus
Die Erfolge des Trainingsprogramms werden in einer wissenschaftlichen Begleituntersuchung ermittelt. Vor, unmittelbar im Anschluss und sechs Monate nach dem Kurs wird das Kommunikationsverhalten der Teilnehmer unter anderem per standardisiertem Fragebogen sowie Video-Dokumentation von Arzt-Patienten-Gesprächen analysiert. Können die Experten die Wirksamkeit des KoMPASS-Trainings nachweisen, sollen Kommunikationstrainings zukünftig als obligatorischer Bestandteil der Facharztausbildung in der Onkologie etabliert werden.
Praxisnahe Trainings / Schauspieler-Patienten geben wertvolle Rückmeldung
Die Trainings sollen deshalb vor allem praxisrelevant sein. "Neben der Vermittlung von Grundlagen und Techniken der Gesprächsführung orientieren sich die praktischen Übungen vor allem an den Anliegen der Teilnehmer", erklärt Dr. Monika Keller. "Wichtige, häufig wiederkehrende Themen sind z.B. das Überbringen schlechter Nachrichten in allen Phasen von Krebserkrankungen, die Angst des Patienten vor bestimmten Therapieformen oder der Umgang mit Sterben und Tod."
Die Fortbildung erfolgt in kleinen Gruppen über zweieinhalb Tage mit erfahrenen Trainern. Speziell ausgebildete Schauspieler übernehmen die Rolle von Patienten oder Angehörigen. Die Gespräche werden gefilmt und ausgewertet. "Wichtig ist der hohe Anteil an praktischen Übungen sowie das Feedback der Trainer und der Gruppe, um an realistischen Szenarios zu arbeiten", sagt Dr. Monika Keller. Dabei können ganz überraschende Erfahrungen gemacht werden - etwa eine Situation, die der Arzt als unangenehm, oder eine Äußerung, die er als ungeeignet ansieht, kann vom Schauspieler-Patienten als wohltuend oder erleichternd empfunden werden. Oder man erfährt, dass "der Patient" ab einem bestimmten Moment aus dem Gespräch ausgestiegen ist und ihn viele Informationen nicht mehr erreicht haben. Nach vier Monaten können die Teilnehmer ein eintägiges Auffrischtraining besuchen.
Baldige Anmeldung dringend zu empfehlen - begrenzte Teilnehmerzahl!
Projektleitung und Anmeldung:
PD Dr. med. Monika Keller
Sektion Psychoonkologie
Klinik für Psychosomatische und Allgemeine Klinische Medizin
Universitätsklinikum Heidelberg
Tel. (Sekr.): 06221/ 56 27 27
E-Mail: catherine.schneider(at)med.uni-heidelberg.de
Weitere Informationen und Termine an anderen Zentren finden Sie unter:
www.klinikum.uni-heidelberg.de/KoMPASS.111389.0.html
www.kompass-o.de
Quelle: Pressemeldung Universitätsklinikum Heidelberg
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