Keine Preisverhandlung ohne vorherige Kosten-Nutzen-Bewertung

23.02.2010 | Berlin
In die Diskussion um steigende Arzneimittelausgaben und neue Regeln der Preisgestaltung schaltet sich jetzt die Barmer GEK ein. Vize-Chef Dr. Rolf-Ulrich Schlenker bezeichnet es als "Fortschritt", dass mehrere Pharmaverbände erstmals Bereitschaft zeigten, vor der Einführung von neuen und meist teuren Arzneimitteln über deren Preise zu verhandeln.

Jeder direkten Preisverhandlung mit Krankenkassen müsse allerdings eine objektive Kosten-Nutzen-Bewertung vorausgehen. Verhandlungen vor einer solchen Bewertung seien ebenso fahrlässig wie Preisverhandlungen ohne. Schlenker: Bevor wir mit Pharmaunternehmen über Preise und Mengenrabatte bei patentgeschützten Arzneimitteln sprechen, muss das Votum unabhängiger Experten zur Kosten-Nutzen-Bewertung auf dem Tisch liegen. Das nenne ich dann eine gute Verhandlungsgrundlage. Die Bewertung könne im Zusammenspiel des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) und des Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) erfolgen.

Zugleich unterstreicht Schlenker die Bedeutung kurzfristiger Einsparungen im Arzneimittelsektor: Ganz unabhängig von grundsätzlichen Neuregelungen brauchen wir schnelle Lösungen. Die Kassen haben hier einen umfassenden und abgestimmten Vorschlag zur Effizienzsteigerung vorgelegt, der zügig umgesetzt werden sollte. Das vom Spitzenverband der Krankenkassen (GKV-SV) vorgeschlagene Sparpaket enthält ein Bündel kurzfristiger Einsparmaßnahmen in einem Volumen von circa vier Milliarden Euro. Dazu zählen die Absenkung der Mehrwertsteuer auf Arzneimittel, die Erhöhung des Herstellerrabatts plus Preismoratorium, die Reduzierung der Großhandelsmarge und die Fortschreibung des Großkundenrabatts der Apotheker.

Auch im Generika-Bereich sieht Schlenker noch Spielraum. Mit Blick auf den Koalitionsvertrag stellt er fest: Die Koalition hat die Rabattverträge offenbar überprüft und für gut befunden. Der Weg für neue Ausschreibungen ist frei. DieBarmerGEK wird ihre Rabattverträge für Nachahmerprodukte weiter ausbauen. Noch in den nächsten Wochen fällt der Startschuss für eine neue Rabattvertrags-Ausschreibung.

Quelle: Pressemeldung Barmer GEK

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