Hilft ACC bald gegen Malaria?

14.10.2009 | Holzkirchen
Kann der der Wirkstoff N-Acetylcystein (ACC) bald im Kampf gegen Malaria eingesetzt werden? Dafür sprechen derzeit Studien von portugiesischen Forschern. Denn ihnen gelang es, durch ACC die Überlebensrate von Mäusen bei Malariainfektionen von 20 auf 100 Prozent zu steigern.

Reagiert der menschliche Organismus ähnlich, könnte das nicht nur den Malaria-Patienten in Afrika helfen, wo laut UNICEF alle 30 Sekunden ein Kind an dieser verheerenden Infektionskrankheit stirbt.

Entgegen weitläufiger Meinung ist Malaria nämlich keine reine Tropenkrankheit. Bis zum Zweiten Weltkrieg trat sie auch an Flussläufen und in Sumpfgebieten Deutschlands immer wieder auf. Prominentester Patient war der Dichter Friedrich Schiller, der 1783 in Mannheim an Malaria erkrankte. Experten schließen nicht völlig aus, dass die Infektionskrankheit durch den Trend zu Fernreisen und die globale Klimaerwärmung nach Deutschland zurückkehren könnte.

Die Publikation der Forschungsgruppe um Elsa Seixas vom Instituto Gulbenkian de Ciência in der Fachzeitschrift "Proceedings of the National Academy of Science" erregte weltweites Aufsehen. Die Wissenschaftler belegten, dass ACC Mäuse mit Malaria vor Leberschäden schützt, die während der Infektionskrankheit auftreten und häufig tödlich enden.

Bei der Zerstörung der Leberzellen spielt das zentrale Molekül des Blutfarbstoffs Hämoglobin (Häm) eine entscheidende Rolle. Und das wird ausgerechnet durch die Immunantwort des Körpers auf die eingedrungenen Malariaerreger (Parasiten aus der Gattung Plasmodium) freigesetzt. Befallen diese Parasiten im Krankheitsverlauf die roten Blutkörperchen, platzen diese und setzen die Erreger erneut frei. Reagiert der Körper auf diesen Angriff mit einer Entzündungsreaktion, zerstören die eigentlich gegen die Parasiten gerichteten, vom Immunsystem produzierten aggressiven freien Radikale den Blutfarbstoff. Das Häm wird freigesetzt - mit fatalen Auswirkungen auf die Leber.

Das Forscherteam aus Portugal hat nun nachgewiesen, dass diese Organschäden bei Mäusen durch Gabe von N-Acetylcystein minimiert wurden. Die Überlebensrate der infizierten Tiere stieg von 20 auf 100 Prozent. Dabei soll der Arzneistoff ähnlich wie das körpereigene Schutzenzym HO-1 wirken, das ebenfalls die lebensgefährlichen Folgen des Häm-Angriffes auf die Leberzellen verhindert - wenn es denn vom Körper produziert wird.

Besonders vielversprechend ist: Die Malaria-Erreger selbst werden weder durch ACC noch durch HO-1 direkt angegriffen. Deshalb wären auch keine Resistenzen zu befürchten, die die Malaria-Erreger immer häufiger gegen gängige Arzneimittel entwickeln. Die Wissenschaftler glauben, dass sich der neue Ansatz auch bei resistenten Malariaformen und sogar bei anderen Infektionskrankheiten bewähren könnte. Sollte diese Wirkung des ACC nicht nur bei Mäusen, sondern auch beim Menschen eintreten, könnte N-Acetylcystein wahrscheinlich recht bald den Kampf gegen die Malaria aufnehmen. Denn schon heute ist der Wirkstoff als schleimlösendes Arzneimittel (HEXAL ACC" Akut, HEXAL ACC" Long) zugelassen

Quelle: Pressemeldung HEXAL AG

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