Erfolgreich im Doppelpack
Eine neue Kombinationstherapie für die Behandlung des Leberzellkarzinoms und anderer Tumoren des Bauchraumes haben Heidelberger Wissenschaftler erfolgreich in der Zellkultur getestet. Die beiden Substanzen TRAIL und Bortezomib ergänzen sich optimal, da Bortezomib die Krebszellen sensibilisiert, während TRAIL ihnen dann das endgültige Signal zum Selbstmord (Apoptose) gibt. Für seine Forschungsarbeiten, insbesondere beim Leberzellkarzinom, wurde Dr. Ronald Koschny vom Universitätsklinikum Heidelberg mit dem deutschlandweit zum ersten Mal ausgeschriebenen Wolf & Christine Unterberg-Preis in Höhe von 10.000 Euro ausgezeichnet.
Im Rahmen von Forschungsarbeiten am Deutschen Krebsforschungszentrum und dem Universitätsklinikum Heidelberg suchen Dr. Koschny und Dr. Tom M. Ganten, Assistenz- bzw. Oberarzt in der Abteilung Gastroenterologie von Professor Dr. Wolfgang Stremmel, in Zellkulturen nach neuen Krebstherapien. Das Protein TRAIL (Tumor Necrosis Factor Related Apoptosis Inducing Ligand) erkennt Krebszellen, dockt an diese an und gibt ihnen den Befehl zum Selbstmord.
Selbstmord der Zellen wird durch Blockade des "Zellschredders" unterstützt
Verschiedene im Labor hergestellte TRAIL-Verbindungen werden bereits seit einigen Jahren klinisch getestet - mit unterschiedlichem Erfolg: während erste Studien beim Lymphdrüsenkrebs (Lymphomen) positiv ausfallen, sprechen solide Tumoren des Bauchraums auf diese Therapie weniger gut an. Deshalb setzten die Wissenschaftler einen zweiten Wirkstoff namens Bortezomib ein, ein bereits zugelassenes Krebsmedikament (Velcade), das an völlig anderer Stelle angreift. Bortezomib blockiert das Proteasom-System, eine Art "Schredder" in der Zelle, der nicht mehr benötigte Eiweiße in ihre Einzelteile zerlegt. Wird der "Schredder" durch Bortezomib blockiert, werden auch die Stoffe nicht zerstört, die das Selbstmordsignal von TRAIL weitergeben. Die molekularen Mechanismen des Zusammenspiels zwischen TRAIL und Bortezomib beim Leberzellkarzinom wurden durch die Arbeiten von Dr. Ronald Koschny aufgedeckt.
Seine Arbeiten zeigen auch, dass gesunde Zellen vor der kombinierten Wirkung aus TRAIL und Bortezomib geschützt sind. Da die Krebszellen im Vergleich zu gesunden Leberzellen einen erhöhten Stoffwechsel haben, fallen mehr Abfallprodukte an, die durch das Proteasom zerkleinert werden müssen. Darum werden gesunde Leberzellen von der Kombinationstherapie weitgehend verschont.
Das Leberzellkarzinom - weltweit häufig, schwer zu therapieren
Das Leberzellkarzinom geht meist aus einer chronischen Schädigung der Leberzellen hervor und macht etwa sechs Prozent aller Krebserkrankungen beim Mann und circa drei Prozent bei der Frau aus. Gefährdet sind Patienten, die an einer Leberzirrhose in Folge einer Infektion mit dem Hepatitis B oder C-Virus leiden; aber auch genetische Ursachen werden diskutiert.
Ob die Therapie mit TRAIL und Bortezomib auch bei durch eine Infektion vorgeschädigten Leberzellen sinnvoll ist, ist Gegenstand aktueller Arbeiten der Heidelberger Forscher. Bei Tumorzellen des Bauchspeicheldrüsenkrebses und des Dickdarmkrebs wurde die Kombinationstherapie ebenfalls erfolgreich in Zellkulturen getestet. Doch bis zur Anwendung in der medizinischen Praxis ist es noch ein weiter Weg: Im nächsten Schritt werden frische, direkt dem Tumor entnommene Zellen untersucht und die Verträglichkeit der Therapie im Mausmodell gesichert, bevor man sich an den Patienten wagen kann.
Wolf & Christine Unterberg-Förderpreis fördert wissenschaftlichen Nachwuchs
Der Wolf & Christine Unterberg-Förderpreis für onkologische Gastroenterologie wird von der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten verliehen und von der Wolf & Christine Unterberg-Stiftung getragen. Mit diesem Preis werden hervorragende Leistungen des wissenschaftlichen Nachwuchses im Bereich der onkologischen Gastroenterologie, die zu innovativen Diagnostik- und Behandlungsmethoden führen oder der Weiterentwicklung der klinisch- therapeutischen Forschung in Deutschland dienen, ausgezeichnet und gefördert.
Quelle: Pressemeldung Universitätsklinikum Heidelberg
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