EU Forscher präsentieren neue Formen der Elektronik

14.04.2009 | Weinheim
Dehnbar wie die menschliche Haut, Freudenberg Konsortialführer

Ruhig atmend schlummert der kleine Säugling in seiner Wiege. Nebenan im Wohnzimmer schauen seine Eltern derweil völlig beruhigt einen Spielfilm. Denn würde die Atmung ihres Babys auch nur einen Moment aussetzen, würden sie sofort alarmiert. Kaum sicht- und fühlbar ist in den Strampelanzug des jungen Erdenbürgers moderne, dehnbare Elektronik "eingebaut". Sie überwacht, wie sich der Brustumfang des Kleinen im Takt der Atmung verändert - indem sie sich immer wieder ausdehnt und zusammenzieht. Stockt die Atmung, stockt die Bewegung. Ein wichtiges Hilfsmittel, um durch schnelles Eingreifen vor dem bis heute unerklärlichen "plötzlichen Kindstod" zu schützen.

Unter der Konsortialführung der Freudenberg Forschungsdienste beschäftigen sich Wissenschaftler aus vier EU- Ländern, Unternehmen und Instituten im Projekt STELLA (Stretchabe Electronics for Large Area Applications) mit Herstelltechnologien und Anwendungsmöglichkeiten solcher dehnbarer Elektronik. Mit großem Erfolg präsentierten die elf Projektpartner Anfang dieser Woche, rund ein Jahr vor Ende des von der Europäischen Union mit sieben Millionen Euro geförderten Forschungsprojekts, ihre Fortschritte beim jährlichen Begutachtungstermin bei Freudenberg in Weinheim. Neben drei verschiedenen Herstelltechnologien stellte die Expertengruppe auch mehrere Prototypen für konkrete Produktideen vor. Diese werden der Öffentlichkeit auf der Hannovermesse vom 20.-24.4. präsentiert.

Die meisten davon entstammen der Medizintechnik. So entwickelt beispielsweise Freudenberg Forschungsdienste gemeinsam mit der früheren Freudenberg-Tochter nora systems eine Schuheinlage mit "Tastsinn" für Diabetespatienten. "Immer wieder kommt es vor, dass sich Diabetiker aufgrund nachlassender Wahrnehmungskraft buchstäblich die Füße wund laufen. Das kann zu schmerzhaften Entzündungen bis hin zu Amputationen führen", beschrieb Benno Schmied, Freudenberg Forschungsdienste, das Problem. Die Patienten spüren nicht mehr, dass die orthopädische Einlegesohle ihre dämpfende Wirkung verloren hat. Die von Freudenberg und nora systems entwickelte Einlegesohle "erspürt" mit Hilfe Druck messender Sensoren, wenn sie verschlissen ist und ausgetauscht werden muss. Die Elektronik lässt sich individuell an jede Schuhgröße und jeden Patienten anpassen.

Dass dehnbare Elektronik auch im Autoinnenraum zukunftsfähig ist, erläuterte Stefan König, ebenfalls Freudenberg Forschungsdienste. Freudenberg hat eine leitfähige und dehnbare Paste entwickelt, die im Siebdruckverfahren auf Vliesstoff aufgebracht wird. Dieser kann anschließend passend zum Einsatzweck im Fahrersitz, im Dachhimmel oder in der Türverkleidung verformt werden und bleibt auch danach leitfähig und flexibel.

"Das Thema steht erst am Anfang und hat noch sehr großes Potenzial. Wir sind dem Ziel, eine bequeme, körpergerechte, d.h. atmungsaktive und dehnbare Elektronik zu entwickeln, schon sehr nahe gekommen. Im verbleibenden Projektjahr geht es nun darum, den notwendigen Reifegrad in Hinsicht auf Herstellungsprozesse und Praxistauglichkeit zu erreichen. Ich bin mir sicher, dass sich aus den gefundenen Technologien noch viele weitere Einsatzmöglichkeiten ableiten", blickt STELLA-Konsortiumkoordinator Dr. Christopher Klatt, Freudenberg Forschungsdienste, in die Zukunft.

Quelle: Pressemeldung Freudenberg & Co. Kommanditgesellschaft

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