Boehringer Ingelheim weiht neues Kilolabor der Chemischen Entwicklung am Standort Biberach ein

14.11.2008 | Ingelheim
Baden-Württembergs Ministerpräsident Günther H. Oettinger und Vertreter von Boehringer Ingelheim haben am Freitag, 14. November, am Standort Biberach an der Riss einen Neubau der Chemischen Entwicklung eingeweiht.

Rund 26 Millionen Euro wurden während der eineinhalb Jahre dauernden Bauphase in das Gebäude und dessen technische Ausstattung investiert. Das so genannte Kilolabor stellt die benötigten Wirkstoffmengen für die Pharmazeutische Entwicklung und für Sicherheitsuntersuchungen sowie für die frühe klinische Entwicklung neuer innovativer Arzneimittel bereit.

Dr. Dr. Andreas Barner, stellvertretender Sprecher der Unternehmensleitung und für den Bereich Pharma-Forschung, Entwicklung und Medizin weltweit verantwortlich, unterstrich, dass für Boehringer Ingelheim Innovation die Größe sei, welche die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens bestimme. "Wir haben uns dem therapeutischen Fortschritt verpflichtet mit dem Ziel, Ärzten innovative Arzneimittel an die Hand zu geben und Patienten zu helfen. Ein besonders gelungenes Beispiel dafür ist die kürzlich erfolgte Markteinführung von Pradaxa®, dem ersten oral verfügbaren Medikament zur Verhinderung venöser thromboembolischer Ereignisse bei Patienten, die sich einer Gelenkersatzoperation unterziehen." Dr. Barner ging auf die internationale Bedeutung des Standortes Biberach als größtem Forschungs- und Entwicklungszentrum des Unternehmensverbandes ein, von dem wichtige Impulse für das weitere Wachstum von Boehringer Ingelheim und damit für die Unabhängigkeit des Familienunternehmens erwartet werden. Mehr als 75 Prozent aller weltweiten Entwicklungsprojekte werden von Biberach aus bearbeitet und koordiniert.

Als besondere Schnittstelle zwischen Forschung und Entwicklung trägt das neue Kilolabor dem stetigen Anstieg des Substanzbedarfes Rechnung, der mit der Erforschung & Entwicklung eines neuen Wirkstoffes verbunden ist. Während in der frühen Forschungsphase Mengen im Milligrammbereich eines Moleküls für Hochdurchsatz-Screeningmethoden ausreichend sind, steigen die Bedarfe für nicht-klinische und pharmazeutische Untersuchungen während der Entwicklungsphase auf zwei- bis dreistellige Kilogrammmengen an.

"Die Investitionssumme von rund 26 Millionen Euro beinhaltete nicht nur ein neues Gebäude mit rund 3.750 Quadratmetern Nutzfläche für die dort tätigen 35 Mitarbeiter, sondern vor allem moderne Technologien und erweiterte Reaktorkapazitäten sowie klar gegliederte Bereiche entsprechend den internationalen Standards im Produktions- und Laborbereich", so Dr. Wolfgang Baiker, Geschäftsführer Entwicklung der Boehringer Ingelheim Deutschland GmbH. Eine Rolle spielte bei der Ausstattung neben dem erhöhten Substanzbedarf für Vorentwicklungskandidaten auch die zunehmende chemische Komplexität neuer Wirkstoffe. Wesentlich modernisiert wurde der Bereich Verfahrenstechnik. Die Anlagenkapazität wurde auf zehn Reaktoren (sechs mal 40 Liter und vier mal 80 Liter) mit einem Gesamtvolumen von 560 Litern zur Synthese von Wirkstoffen verdoppelt. In diesen Spezialbehältern, die mit einem Rührwerk ausgestattet sind, werden chemische Reaktionen meist in Lösung durchgeführt, das Produkt der chemischen Transformation isoliert und mittels spezieller Techniken gereinigt und getrocknet. Je nach Komplexität der Substanz bedarf es bis zum fertigen Wirkstoff zwanzig bis vierzig der genannten Verfahrensschritte.

Good Manufacturing Practice-Bereiche (GMP) und Nicht-GMP-Bereiche wurden strikt getrennt, um den behördlichen Anforderungen einfacher entsprechen zu können. Ein modernes lufttechnisches Konzept, so genannte Down-Flow-Systeme, führt eventuelle Schadstoffe vom Mitarbeiter weg, so dass Zwischenprodukte und Wirkstoffe sicher gehandhabt werden können. Der Neubau umfasst zudem ein neu errichtetes Labor für präparative Chromatographie als alternative Reinigungsmethode für die rasche Wirkstoffversorgung in der frühen Entwicklungsphase.

Das Kilolabor der Chemischen Entwicklung ist die erste Hürde bei der Vorbereitung der späteren Wirkstoffproduktion, ausgehend vom Labormaßstab bis zur großtechnischen Herstellung. Schwächen eines Laborverfahrens werden hier frühzeitig erkannt und eliminiert. Verfahrensschritte werden im Hinblick auf eine weitere Maßstabvergrößerung unter Berücksichtigung der Kriterien Sicherheit, Umweltschutz, Qualität und Kosten optimiert.

Quelle: Pressemeldung Boehringer Ingelheim Pharma GmbH & Co. KG

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