Boehringer Ingelheim und Vitae Pharmaceuticals erforschen und entwickeln gemeinsam neuartige Alzheimer-Therapien

24.06.2009 | Ingelheim
Boehringer Ingelheim und Vitae Pharmaceuticals, Inc., haben eine weltweite, bedeutende Kooperation zur Erforschung und Entwicklung von Beta-Sekretase (BACE)-Inhibitoren zur Therapie der Alzheimer-Krankheit bekannt gegeben. Derzeit verfügbare Morbus Alzheimer-Medikamente können zwar die Symptome lindern, jedoch das Fortschreiten der Erkrankung nicht aufhalten.

Die Beta-Sekretase (BACE) ist ein Enzym, das an der Bildung von Plaque-Ablagerungen im Gehirn von Alzheimer-Patienten beteiligt ist - durch seine Hemmung könnte daher möglicherweise der Krankheitsverlauf verlangsamt oder sogar vollständig zum Stillstand gebracht werden.

Die beiden Unternehmen wollen gemeinsam Wirkstoffkandidaten identifizieren und in die klinische Entwicklung bringen. Boehringer Ingelheim wird anschließend die Entwicklung und Vermarktung der Produkte zur Alzheimer-Therapie verantworten und dabei seine Kompetenz und Expertise im weltweiten Marketing und Vertrieb nutzen. Vitae hat das Recht, unabhängig Produkte für bestimmte andere Indikationen zu entwickeln.

Im Rahmen der Kooperationsvereinbarung erhält Vitae von Boehringer Ingelheim Zahlungen von 42 Millionen US-Dollar in Form einer Barvorauszahlung, einer Kapitalbeteiligung an Vitae und einer Forschungsfinanzierung. Darüber hinaus kann Vitae schon vor eventuellen Markteinführungen Zahlungen in Höhe von 200 Millionen US-Dollar erhalten, sofern bestimmte klinische und zulassungsrelevante Meilensteine erreicht werden, sowie weitere Zahlungen für potenzielle weitere Wirkstoffe oder eine Erweiterung der zugelassenen Indikationen. Zusätzlich wird Vitae von Boehringer Ingelheim an den Umsätzen der später möglicherweise vermarkteten Produkte in Form von Erfolgszahlungen und Lizenzgebühren beteiligt. Weitere finanzielle Einzelheiten wurden nicht bekannt gegeben.

"Ich freue mich sehr über die Zusammenarbeit mit den hervorragenden Neurowissenschaftlern von Boehringer Ingelheim", kommentierte Jeffrey Hatfield, CEO von Vitae. "Diese Kooperation ergänzt unser erst 16 Monate laufendes, erfolgreiches BACE-Programm um eine beachtliche neurowissenschaftliche Expertise und spezialisierte Ressourcen. Zudem können wir dadurch unsere bereits sehr erfolgreiche Partnerschaft mit Boehringer Ingelheim - bisher in den Bereichen Diabetes und metabolisches Syndrom - weiter ausbauen. Und schließlich unterstützt diese Kooperation unser Geschäftsmodell, das Unternehmen durch eine rasche Wertschöpfung und den Aufbau von Partnerschaften zu finanzieren, statt auf die Kapitalmärkte zu setzen. Das kommt auch unseren Aktionären zugute."

Dr. Manfred Haehl, Bereichsleiter Medizin der Boehringer Ingelheim GmbH, ergänzte: "Gestützt auf unser Know-how in der Erforschung der Alzheimer-Krankheit und unsere ausgezeichneten Erfahrungen bei der Zusammenarbeit mit Vitae im Diabetesprogramm, ist es unser Ziel, neue Therapien für Patienten mit dieser folgenreichen Diagnose zu schaffen. Durch das gemeinsame Engagement wollen wir Arzneimittel entwickeln, die in zwei weit verbreiteten Indikationen dringend gebraucht werden: Diabetes und Alzheimer-Demenz. Es gehört zu unserer zentralen Entwicklungsstrategie, langfristige Allianzen mit innovativen Unternehmen einzugehen, die die Bandbreite unserer eigenen erfolgreichen Produkt-Pipeline erweitern."

BACE-Hemmung

Die Alzheimer-Krankheit ist eine chronische, neurodegenerative Erkrankung, die durch einen voranschreitenden Gedächtnisverlust aufgrund der Ablagerung von neuritischen Plaques im Gehirn charakterisiert ist. Diese Plaques bestehen hauptsächlich aus Beta-Amyloid-Peptiden, die als Hauptursache für die Entstehung der Alzheimer-Demenz diskutiert werden. Beta-Amyloid entsteht durch proteolytische Spaltung aus einem Vorläuferprotein, dem Amyloid-Precurser-Protein (APP), durch die Beta- und Gamma-Sekretasen. Da der limitierende Faktor für die Produktion von Beta-Amyloid in der APP-Spaltung durch die Beta-Sekretase (beta-site APP cleaving enzyme 1 oder BACE1) liegt, stellt die Hemmung dieses Enzyms eine attraktive Strategie zur Verminderung von Ablagerungen bei der Alzheimer-Demenz dar. Diese Ansicht wird von Studien gestützt, in denen die Ausschaltung des BACE1-Gens bei Mäusen die Bildung von Beta-Amyloid in kultivierten Neuronen und im Gehirn verhinderte. Außerdem wurde gezeigt, dass mit Beta-Amyloid assoziierte Gedächtnisdefizite, die bei mutanten Mäusen mit einer APP-Überexpression auftreten, bei Deletion des BACE1-Gens verhindert werden. Daher geht man davon aus, dass bei Patienten BACE1-blockierende Hemmstoffe die Bildung von Beta-Amyloid-Plaques verhindern und zur Verlangsamung oder zum Stillstand der Krankheit beitragen könnten.

Alzheimer-Krankheit

Die Alzheimer-Krankheit ist die häufigste Form der Demenzerkrankungen bei Erwachsenen. Weltweit sind schätzungsweise über 30 Millionen Menschen von dieser Erkrankung betroffen, wobei die durchschnittliche Krankheitsdauer zwischen acht und zwölf Jahren liegt. Hochrechnungen zufolge wird sich die Prävalenz der Alzheimer-Demenz in den nächsten 20 Jahren verdoppeln. Derzeit auf dem Markt erhältliche Behandlungen können zwar einige Symptome lindern, jedoch sind keine Behandlungen verfügbar, welche die Krankheitsprogression verzögern oder vollständig aufhalten können. Der weltweite Umsatz an Alzheimer-Medikamenten betrug 2008 circa fünf Milliarden US-Dollar und soll bis 2015 voraussichtlich 14 Milliarden US-Dollar übersteigen.

Vitae Pharmaceuticals

Das in Fort Washington/Pennsylvania, USA, ansässige pharmazeutische Unternehmen widmet sich dem Aufbau einer klinischen Pipeline neuartiger Wirkstoffkandidaten in wichtigen Therapiebereichen wie kardiovaskulären Erkrankungen, Diabetes und Alzheimer-Krankheit. Vitae Pharmaceuticals erforscht und entwickelt Lösungen für biologisch nachweisbare, aber medikamentös schwierig zu erreichende Angriffspunkte, indem es seine firmeneigene Plattform für strukturbasiertes Arzneimitteldesign mit dem gezielten Einsatz erfahrener Wissenschaftler in der Wirkstofffindung und -entwicklung kombiniert.

Boehringer Ingelheim

Der Unternehmensverband Boehringer Ingelheim zählt weltweit zu den 20 führenden Pharmakonzernen. Mit Hauptsitz in Ingelheim am Rhein ist Boehringer Ingelheim weltweit mit 138 verbundenen Unternehmen in 47 Ländern tätig und beschäftigt fast 41.300 Mitarbeiter. Schwerpunkte des 1885 gegründeten Unternehmens in Familienbesitz liegen in der Forschung, Entwicklung, Produktion sowie dem Marketing neuer Produkte mit hohem therapeutischem Nutzen für die Humanmedizin sowie die Tiergesundheit.

Im Jahr 2008 erwirtschaftete Boehringer Ingelheim Gesamterlöse von 11,6 Milliarden Euro. Fast ein Fünftel der Einnahmen aus dem größten Bereich - verschreibungspflichtige Medikamente - investierte das Unternehmen in die Forschung und Entwicklung neuer Medikamente.

Quelle: Pressemeldung Boehringer Ingelheim Pharma GmbH & Co. KG

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