Arteriomobil-Tour: 2007 Durchblutungsstörungen in den Beinen rechtzeitig entdecken

27.04.2007 | Darmstadt
Der Auftakt der Arteriomobil-Tour fand in diesem Jahr auf dem Potsdamer Platz in Berlin statt. An Bord des Arteriomobils konnten sich die Passanten auf Durchblutungsstörungen in den Beinen hin untersuchen lassen. Die Ursache - Arterienverkalkung - ist ein schleichender Prozess, der in der Anfangsphase keine Beschwerden verursacht.

Entsprechend hoch ist die Dunkelziffer von Patienten, die noch nichts von ihrer Erkrankung ahnen und keine Behandlung erhalten.

Der AVK-SELBSTHILFEGRUPPEN Bundesverband e.V., unterstützt von der Merck Pharma GmbH und der Deutschen Gefäßliga e.V., hat die Tour des Arteriomobils initiiert, um auf die Bedeutsamkeit der Früherkennung der arteriellen Verschlusskrankheiten aufmerksam zu machen. Weitere Stationen im Verlauf diesen Jahres werden unter anderem in Jena, München, Chemnitz und Münster liegen. Gefäßspezialisten begleiten das Arteriomobil und informieren die interessierten Bürger über die Früherkennung und Behandlung der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (pAVK) - im Volksmund auch "Schaufensterkrankheit" genannt. Das Arteriomobil verfügt über modernste Technik, um bei den Testpersonen möglichen Gefäßveränderungen auf die Spur zu kommen. "Die Problematik bei der Arterienverkalkung - oder Atherosklerose, wie der Fachmann sagt - besteht darin, dass der Patient Schmerzen erst dann bemerkt, wenn er schon irreparable Schäden an den Blutgefäßen hat. Anfänglich schmerzen die Durchblutungsstörungen noch nicht. Ein wichtiges Anliegen bei dem Projekt Arteriomobil ist es deshalb, schon im Vorfeld die Gefäßveränderungen zu registrieren, um rechtzeitig entsprechende Maßnahmen einleiten zu können", erklärte Manfred Pfeiffer, Geschäftsführer des Bundesverbandes der AVK-Selbsthilfegruppen. Vielfach würden Betroffene die Schmerzen völlig falsch interpretieren: Bei Schmerzen in der Wade denken viele an eine Überanstrengung z. B. durch ungewohntes Wandern oder Laufen.

Arterienverkalkung: Gefährlich auch für Herz und Hirn

Gefäßerkrankungen sind immer noch die häufigste Todesursache in den industrialisierten Ländern. Verkalkte Herzkranzgefäße führen zu Herzkrankheiten und Herzinfarkt - sind die Halsschlagadern verengt, droht ein Schlaganfall. Patienten, die von einer AVK im Bein betroffen sind, haben meist auch Gefäßverengungen in anderen Bereichen: Rund 60 Prozent der pAVK-Patienten leiden auch an Durchblutungsstörungen des Herzens oder des Gehirns. Bis heute herrscht die Einschätzung vor, dass eine pAVK in erster Linie zu einer Amputation der betroffenen Gliedmaße führen kann. Davon sind jedoch nur 2 % der Patienten innerhalb der ersten fünf Jahren nach Diagnosestellung betroffen. Tatsächlich sind diese Patienten bedeutend stärker durch das kardiovaskuläre Risiko, das zu Herzinfarkt und Schlaganfall führen kann, gefährdet.

Vorsorgeuntersuchung: Frühzeitig aktiv werden

Eine frühzeitige Diagnose von Gefäßkrankheiten kann folglich lebensrettend sein. Fast alle pAVK-Patienten haben Risikofaktoren, die sie selbst ausschalten oder die durch eine Behandlung entschärft werden können. Eine Behandlung der pAVK kann dazu beitragen, kardiovaskuläre Ereignisse zu verhindern und Amputationen vorzubeugen. Darüber hinaus profitieren die Patienten von einer verbesserten Lebensqualität durch die Maßnahmen. "Steht die Diagnose pAVK fest, bekommt der Patient vom Arzt zunächst die Empfehlung, eine REHA-Sportgruppe aufzusuchen. Hier lernt er, selbst aktiv zu werden und mit einem speziellen Geh-Training seine Beschwerden zu verbessern. Durch das Geh-Training wird der Körper angeregt, neue Blutgefäße - sogenannte Kollateralgefäße - auszubilden, welche die Engstellen umgehen. Je früher man damit anfängt, umso besser. Auch eine Umstellung der Ernährung - weniger tierische Fette - kann im Kampf gegen die Atherosklerose hilfreich sein. Medikamente oder ein chirurgischer Eingriff werden in fortgeschritteneren Stadien notwendig", erklärte Pfeiffer, "Grund genug also, die kostenlose Vorsorgeuntersuchung im Arteriomobil wahrzunehmen. In nur zehn Minuten ist die schmerzfreie Untersuchung mit dem Ultraschallgerät erledigt."

Im Arteriomobil befindet sich ein Aufnahmeraum, in dem die Testperson zu ihrer Vorgeschichte befragt wird. Dazu gehören Angaben zum Alter und Beruf; wird die Tätigkeit hauptsächlich sitzend, stehend oder gehend ausgeübt. Weitere Fragen widmen sich der eigenen und der Krankheitsgeschichte der Familie: Gibt es nahe Verwandte mit Durchblutungsstörungen, Herzinfarkt oder anderen Risikofaktoren? Zu den Risikogruppen gehören unter anderem Raucher, Diabetiker und Patienten mit erhöhten Blutfettwerten. Körperliche Beschwerden und Anzeichen können erste Hinweise auf eine pAVK geben: häufig geschwollene Knöchel, Kribbeln, Taubheit oder Schmerzen in den Beinen, vor allem der Wade.

Ultraschalluntersuchung: Knöchel-Arm-Index zeigt Risiko an

In der Untersuchungskabine des Arteriomobils findet dann die eigentliche Ultraschall-Messung zur Bestimmung des Knöchel-Arm-Indexes - ein Maß für die Durchblutung - statt. Dr. Dirk Kampe, Internist, Gemeinschaftspraxis Kaiserdamm Berlin, führte die Messungen im Arteriomobil durch und erklärte die Messungen: "Für gewöhnlich entspricht bei einem liegenden Menschen der Blutdruck, der am Oberarm gemessen wird, dem Blutdruck der auch am Fußknöchel gemessen werden kann. Der Quotient aus beiden Werten liegt dann folglich bei 1". Sollte es an den Unterschenkelarterien Engstellen geben, führt dies dort zu einem niedrigeren Blutdruck. Der Quotient aus dem Blutdruck am Knöchel und dem Blutdruck am Oberarm wird dann folglich kleiner als 1. Bei Werten unterhalb von 0,9 liegen höchst wahrscheinlich krankhafte Gefäßveränderungen vor, auch wenn es sonst noch keine Symptome gibt. Ab einem Quotienten von weniger als 0,5 ist die Durchblutungsstörung stark behandlungsbedürftig. Anhand des Knöchel-Arm-Indexes lässt sich am Ende das gesamte kardiovaskuläre Risiko eines Patienten abschätzen.

"Wenn wir mit der Untersuchung eine pAVK in den Beinen entdecken oder vermuten, empfehlen wir dem Betroffenen seinen Haus- oder Facharzt zur weiteren Abklärung der möglichen Erkrankung aufzusuchen. Der Patient erhält von uns ein Informationsblatt mit dem Untersuchungsergebnis", erläutert Kampe. Darüber hinaus informieren Mitarbeiter des Bundesverbandes der AVK-Selbsthilfegruppen e.V. schon im Arteriomobil über die Erkrankung und geben Tipps, wie Patienten den Krankheitsprozess positiv beeinflussen oder gar aufhalten können. Die wichtigste Maßnahme ist die Vermeidung der Risikofaktoren: Das Rauchen sollte sofort eingestellt werden, sind Blutdruck-, Blutzucker oder Cholesterinwerte nicht in Ordnung, müssen auch diese behandelt und optimal eingestellt werden. Der Facharzt für Gefäßkrankheiten, der Angiologe, übernimmt die weiterführende Diagnostik der Durchblutungsstörungen. Er kann die Engstelle genau lokalisieren und dem Patienten ein Gehtraining verordnen, das gegebenenfalls mit gefäßaktiven Substanzen wie z.B. Naftidrofuryl unterstützt werden sollte. In schwerwiegenden Fällen kann ein chirurgischer Eingriff notwendig werden.

Quelle: Pressemeldung Merck Serono GmbH

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